Bürgerinitiative: "No Fracking" im Erdgasfeld Völkersen

Bürgerinitiative: "No Fracking" im Erdgasfeld Völkersen

Stoppt Fracking!

Kein Fracking, auch nicht in der konventionellen Erdgasförderung!

Beweislastumkehr

In Schadensfällen muss eine Beweislastumkehr zugunsten der Geschädigten verfügt werden.

Keine Verpressung von Lagerstättenwasser!

Dezentrales Reinigen des Lagerstättenwassers an den jeweiligen Erdgasförderstellen.

Kein abfackeln!

Nutzung von geschlossenen Systenen, bei denen Schadstoffe gefiltert werden können.

Was ist geschehen?


Störfall Nr. 1

Am 22.08.2011 gegen 17:45 wurde bei einer Routinekontrolle der Lagerstättenwasserleitung auf dem Gelände von Völkersen Z1 bemerkt, dass im Bereich eines Kugelhahns der Boden sehr feucht ist. Es wurde vermutet das die Leitung ein Leck hat, diese wurde daraufhin sofort stillgelegt und entleert.

Am 23.08.2011 wurden der Landkreis Verden und das LBEG Hannover über den Störfall unterrichtet. Der Kugelhahn wurde freigelegt und es wurden Proben genommen um das Maß der Verunreinigung zu ermitteln. Am 24. waren dann Mitarbeiter des LBEG und des Landkreises vor Ort um den Schaden zu begutachten.

Messungen haben ergeben das die Benzolwerte mit ca. 2000 µg oder 2 mg weit über den Grenzwerten liegen. Daher wurde der unmittelbare Bereich abgetragen und entsorgt. Der Kugelhahn wurde ausgebaut und beide Enden der Leitung direkt, ohne neuen Kugelhahn, miteinander verbunden. Anschließend wurde der Bereich wieder aufgefüllt.

Man hat den Kugelhahn zur weiteren Überprüfung zum TÜV geschickt. Dort wurde festgestellt das die Kugel sich mit dem Lagerstättenwasser vollgesogen hat und dadurch das darum liegende Gehäuse aufgesprengt hat.

Am 02.09.2011 wurde damit begonnen über mehrere Brunnen, die im Umkreis von 18 Metern um die verunreinigte Stelle angelegt wurden, das Grundwasser abzusenken und damit das verunreinigte Wasser abzupumpen. Zu der Zeit war das Wasser mit 1-2 mg Benzol pro Liter verseucht. Die Verunreinigung soll aber eine Fläche von 8x10 Metern und eine Tiefe von 4 Metern nicht überschreiten.

Es wird nun über einen Zeitraum von ca. 1 bis 1,5 Jahren das Gebiet gereinigt. Sprich es wird das Wasser abgepumpt, durch Aktivkohle-Filter geleitet, um es zu reinigen und unmittelbar nebenan wieder ins Erdreich gegeben. Das Wasser fließt wieder durch das kontaminierte Erdreich um erneut abgepumpt zu werden. Dieses wird so lange gemacht, bis ein Wert von 1 µg oder 0,001 mg Benzol pro Liter erreicht ist.

Der Gutachter erklärte, man könne natürlich auch das ganze Erdreich entsorgen, wäre damit vermutlich auch schneller fertig. Aber das sei nicht ökologisch, da die Umwelt- und Lärmbelastung durch die LKW's, die für den Abtransport benötigt werden, auch ihres dazu beitragen. Daher wurde die langwierigere Variante gewählt.

An die Öffentlichkeit kam dieser Störfall nur, weil Anfang November der BUND Rotenburg einen anonymen Hinweis über den Störfall in Völkersen Z1 erhalten hat und daraufhin auch am 08.11.2011 Andreas Brandt, den Bürgermeister in Langwedel informierte, der bis dahin auch keine Informationen dazu hatte.


Störfall Nr. 2

Am 06.01.2012 wurde bekannt, dass am 23. Dezember erneut erhöhte Benzolwerte gemessen wurden. Dieses mal entlang einem 300 Meter langen Teilstück der Lagerstättenwasserleitung in der Nähe von Völkersen Nord Z1, wo bereits im letzten Jahr ein Störfall aufgetreten war. Dieser ist mit 3700 µg oder 3,7 mg etwa doppelt so hoch wie beim letzten Störfall. Die Leitung wurde daraufhin erneut komplett geleert und außer Betrieb genommen.

Daraufhin hat die RWE Dea am 11.01.2012 vorsorglich alle Lagerstättenwasserleitungen außer Betrieb genommen. Bis auf weiteres wird das Lagerstättenwasser nun mit Tank-LKW's nach Scharnhorst gefahren. Um das genaue Schadensausmaß zu ermitteln wurden entlang des kompletten 20 Kilometer langen Leitungsnetzes im Abstand von 100 Metern Messungen durchgeführt. Diese Messungen wurden in einer Tiefe von 1,5 m, 3 m, 5 m und bis 10 m neben der Leitung durchgeführt. Bei Messungen oberhalb der Leitung und in der Luft wurden bis jetzt keine Belastungen durch Benzol festgestellt.

Es wird vermutet, das die aktuellen erhöhten Werte nicht auf ein Leck in der Leitung zurückzuführen sind, sondern das das Material der Leitungen ungeeignet ist solche belastete Flüssigkeiten zu befördern. Druckprüfungen konnten auch keine undichten Stellen ermitteln. Dazu muss die Leitung einen Gas-Druck von 7,5 Bar über einen längeren Zeitraum halten. Vermutlich sickert schon seit längerer Zeit das Benzol durch die Leitungen in das Erdreich.

Auf Grund von Störfällen in der Vergangenheit hat das LBEG am 21.01.2011 den Weiterbetrieb von potentiell unsicheren Rohrleitungen untersagt. Damit waren aber explizit Rohrleitungen aus dem Werkstoff PE 80 gemeint, im Erdgasfördergebiet Völkersen kamen lt. RWE-Dea AG PE 100 Rohrleitungen zum Einsatz, welche nach Aussage eines LBEG Mitarbeiters (Infoveranstaltung am 08.12.2011) wesentlich sicherer sein sollen. Nur Ca. 6 Wochen später, nach Bekanntwerden der erneuten Benzolaustritte, wurde dieser LBEG Mitarbeiter auf diese Aussage angesprochen und erwiderte bedauernd, das es zu der Zeit stand der Technik war... (Unsere Recherchen zum Thema PE 100 Rohre haben wir unter "weiteres" zusammengefasst.)

Die Messungen hatten leider die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Entlang der Lagerstättenwasserleitung 951, die von Völkersen Nord Z1/Z5 um Völkersen vorbei Richtung Langwedelermoor und dann zwischen Völkersen und Dahlbrügge nach Schülingen führt, wurden bei nahezu jeder Messung Benzol nachgewiesen. Auf dieser Karte sind die Messpunkte eingezeichnet und bei allen Messungen die im Direct Push Verfahren durchgeführt wurden, wurde Benzol nachgewiesen. Diese Messpunkte sind auf der Karte als hellblaue Punkte markiert.

Der höchste Messwert, der bei den Beprobungen gemessen wurde, lag bei 39.000 µg Benzol je Liter!

Im April 2012 war die Beprobungs und Erkundungsphase abgeschlossen, so das mit einem Sanierungskonzept begonnen werden konnte. Dieses musste jedoch erst durch das LBEG und dem Landkreis genehmigt werden somit wurde im schätzt, das im August oder September mit der Sanierung begonnen werden kann. In einer Pressemitteilung wurde bereits angekündigt, das ein kompletter Rückbau der Leitungen 951 und 955 erfolgen soll. Und es ist davon auszugehen, dass ca. 8,5 km der 22 km Saniert werden müssen.

Im Mai 2012 wurde auf einem Testfeld die Sanierung mit ein Verfahren das dem Namen "Air-Sparging" hat gestartet. Hier wird Sauerstoff in das Erdreich gepumpt, welches sich mit Bezol verbindet und dann wieder aufsteigt. An der Oberfläche angekommen wird es abgesaugt und über Aktivkohlefilter gereinigt. Weiter wird durch den Sauerstoff auch ein natürlicher Zersetzungsprozess im Boden angeregt, wodurch das Benzol abgebaut wird. Im September 2012 waren die Werte im Sanierungsfeld deutlich unter 10 µg Benzol je Liter gesungen. Im September 2012 wurde auch mit dem Rückbau der Lagerstättenwasserleitungen begonnen. Zunächst in Scharnhorst in unmittelbarer Umgebung zum Trinkwasserwerk. Dazu wurde bis kurz über der Leitung das Erdreich abgetragen, die Leitung in kurzen Stücken aus dem Erdreich gezogen, dann das direkte umliegende Erdreich entsorgt und wieder mit mit Erde verfüllt.

Erdbeben

Am 22.11.2012 um 21:38 war in der Umgebung von Langwedel ein Erdbeben sehr deutlich zu spüren, dieses hatte eine Stärke von 2,8 auf der Lokalmagnitude. Auf einer darauf folgenden Informationsveranstaltung am 06.12.2012 hat ein Geologe der BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) zusammenhänge mit der Erdgasförderunf nicht ausgeschlossen. Seiner Meinung nach sein diese sogar sehr wahrscheinlich, besonders da am 02.05.2011 bereits im gleichen Bereich ein Erdbeben mit der Stärke von 2,5 gemessen wurde.

Quecksilber

Ein Rohrstück, welches der BI aus anonymer Quelle zugetragen wurde, wurde auf Quecksilber untersucht. Die Ergebnisse sind erschreckend, nicht nur Benzol sondern auch Quecksilber Diffudiert durch die PE Rohre. An der Innenwand des Rohres wurden 32.8 mg Quecksilber je kg Rohr gemessen. An der Außenwand sogar 77,6 mg Quecksilber je kg. Dabei sollte das Quecksilber, lt. RWE Dea, doch vor dem Transport durch die Lagerstättenwasserleitungen an der Bohrstelle abgeschieden werden. Vom LBEG haben wir nun auf Nachfrage weitere Werte erhalten, demnach wurden an den Innenwänden von Rohren Quecksilber in der Konzentration von 19,2 bis 1169 mg je kg Rohr gemessen. In den genommen Wasserproben wurden jedoch kein Quecksilber nachgewiesen, nur in drei fällen wurde bei Leitungsrückbau im Boden ein Wert von maximal 0,16 mg je kg Boden ermittelt. Diese Bereiche wurden ebenfalls saniert.

Viel schlimmer ist aber die Tatsache, dass nicht nur giftiges Benzol sondern auch Quecksilber im Trinkwasserschutzgebiet verpresst wurde.

Rechenbeispiel: Lt. RWE Dea hat das Lagerstättenwasser welches in Völkersen H1 verpresst wurde einen durchschnittlichen Gehalt von 0.27 mg Quecksilber je Liter. In Völkersen H1 dürfen insgesamt 450.000 Kubikmeter Lagerstättenwasser verpresst werden, dass sind 450.000.000 Liter. Jeder Liter enthält 0,27 mg Quecksilber, dass sind dann 121,5 kg Quecksilber die da in die Erde gepresst werden!

Wichtig!

Schlichtungsstelle

Die niedersächsische Schlichtungsstelle Bergschaden mit Sitz in Rotenburg/Wümme ist im Amt.

Anmerkungen und Kritik zur Studie

Nachhaltiger Umgang mit Lagerstättenwasser aus der Erdgasförderung der RWE Dea AG in Niedersachsen

Gerd Landzettel – im August 2014

Eine Geschichte darüber, wie meine Vorstellung vom „sauberen Energieträger Erdgas“ von der Realität eingeholt wurde.

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