Bürgerinitiative: "No Fracking" im Erdgasfeld Völkersen

Bürgerinitiative: "No Fracking" im Erdgasfeld Völkersen

Stoppt Fracking!

Kein Fracking, auch nicht in der konventionellen Erdgasförderung!

Beweislastumkehr

In Schadensfällen muss eine Beweislastumkehr zugunsten der Geschädigten verfügt werden.

Keine Verpressung von Lagerstättenwasser!

Dezentrales Reinigen des Lagerstättenwassers an den jeweiligen Erdgasförderstellen.

Kein abfackeln!

Nutzung von geschlossenen Systenen, bei denen Schadstoffe gefiltert werden können.

Weitere Informationen


PE 100 Rohre: Hier sieht man, das an dieser Stelle PE 100 Trinkwasserrohre verwendet wurden. Dieses erkennt man an der blauen Farbe. An andere Stelle sind es Abwasserrohre in schwarz. Recherchen im Internet haben ergeben, dass sowohl PE 80 als auch PE 100 Rohrleitungen aus Polyethylen hergestellt werden. Der Unterschied zwischen beiden Typen ist, das PE 100 Rohrleitungen bei gleichen Abmessungen für einen höheren Druck geeignet sind. Weiter kann man im Internet bei diversen Herstellern von PE 100 Rohren lesen, das diese nach DIN gefertigt werden und den Güteanforderungen nach DIN 8075 entsprechen, was auch die Chemische Widerstandsfähigkeit betrifft. Auch kann man dort in diversen Produktdatenblättern lesen, das HDPE (Polyethylen mit hoher Dichte) gegen Benzol nur bedingt beständig ist.
Wie soll man die Verwendung dieser Rohre nun bewerten? Der Bürgerinitiative liegt das Gutachten des TÜV Hannover/Sachsen Anhalt e.V. vor, welches von der RWE-Dea in Auftrag gegeben wurde und demnach sollen die Rohre PE 100 DN 110x10 mm bzw. SDR 11 zur Beförderung von mit Kohlenwasserstoffen belastetem Lagerstättenwasser vermutlich geeignet sein. Um sicher zu gehen wurde jedoch empfohlen das Rohrproben in Lagerstättenwasser eingelagert werden sollen, um nach 1, 2 und 5 Jahren erneut geprüft zu werden. Geschehen ist dieses, so wie es aktuell aussieht, vermutlich nicht!

Bei einer Nachfrage beim Hersteller der verwendeten Rohre wurde bestätigt, dass PE 100 Rohre nicht für Benzolhaltige Flüssigkeiten geeignet sein. Das Material würde sich mit Benzol vollsaugen und nach einiger Zeit auch nach außen abgeben. Für diesen Zweck wurden in den 80er Jahren besondere Verbundrohre entwickelt, diese haben eine Aluminiumschicht die das durchdingen von Benzol verhindern. Diese wurden entwickelt, weil es in den Niederlanden ein mit Benzol kontaminiertes Gebiet gab und dort war Benzol durch die Trinkwasserrohre in das Trinkwasser gelangt.

Weiter wurde uns ein TÜV Gutachten vom 08.02.2011 zugetragen wo das LBEG eine Bewertung der im Erdgasgebiet Völkersen verwendeten Leitungen fordert. Hier warnt der TÜV bereits fast ein Jahr vor dem ersten Benzolfund, das Benzol und Quecksolber durch Permeation/Duffusion in das Erdreich/Grundwasser gelangen könnten und fordert daher umfangreiche Tests.

Verpressung des Lagerstättenwassers: Völkersen H1 befindet sich in Scharnhorst bei Verden, dort befindet sich auch das Wasserwerk Panzenberg, wo Jährlich 10 Millionen Kubikmeter Trinkwasser gefördert werden. Der 300 Meter tiefe Trinkwasserbrunnen befindet sich nur ca. 500 Meter vom Bohrloch Völkersen H1 entfernt. Dieser Verpressungspunkt befindet sich damit im Trinkwasserschutzgebiet. Auch die Leitung mit dem Lagerstättenwasser führte durch dieses Trinkwasserschutzgebiet.

Das Trinkwasser ist durch die Lagerstättenwasserleitungen zunächst nicht gefährdet, da die Brunnen die "Rotenburger Rinne" anzapfen, welche in tiefen Erdschichten Schmelzwasser der letzten Eiszeit führt. Die Qualität wird ständig geprüft und bis jetzt wurden keine Benzolwerte gemessen. Jedoch wurden in einem 27 Meter tiefen Beobachtungsbrunnen geringe Werte von Benzol nachgewiesen, die aber noch unter dem Grenzwert von 1 µg liegen.

Was aber ist mit dem verpressten Lagerstättenwasser aus ca. 1100 Metern tiefe? Kann die RWE-Dea garantieren, das dieses für immer dort unten bleibt?

Aufgrund des öffentlichen Drucks hatte die RWE Dea reagiert und verpresst dort nun kein Lagerstättenwasser mehr, ganz aufgeben möchten Sie dieses jedoch nicht, man möchte sich diese Option für Notfälle offen halten. Entsorgt wird das Lagerstättenwasser unter anderem in der Versenkbohrstelle Grapenmühlen bei Wittorf.

Es wird an Alternativen zur Verpressung des Lagerstättenwassers gearbeitet, jedoch wird auch über eine Verpressung direkt in Völkersen Z2 in 5000 Metern Tiefe nachgedacht. Was sich jedoch als schwierig gestaltet, da das verpresste Lagerstättenwasser dann in anderen Förderbohrungen wieder mit zu Tage kommen könnte.

Fracking: Das Fracking-Verfahren ist wie bereits geschrieben weltweit sehr umstritten. Dieses Verfahren wird in der Konventionellen Erdgasförderung angewendet, damit das Erdgas besser und schneller gefördert werden kann. Dazu werden ca. 350 Kubikmeter Flüssigkeit mit hohem Druck in das Bohrloch gepresst. Diese Flüssigkeit besteht zum größten Teil aus Wasser, aber es werden auch 3-4% Chemikalien beigemischt, also etwa 10-15 Kubikmeter Chemikalien bei jedem Frack-Vorgang. Durch die Flüssigkeit werden die tiefen Gesteinsschichten, in denen das Erdgas lagert, aufgebrochen und das Gas kann schneller gefördert werden. Ein Großteil der Flüssigkeit wird wieder abgepumpt und entsorgt. Ein Teil gelangt jedoch erst bei der Erdgasförderung zu Tage und wird dann mit dem Lagerstättenwasser entsorgt.

Frack-Technik und Flüssigkeiten liefert ist das US Unternehmen Halliburton. Auf deren Web-Seite kann man genauere Informationen zur Zusammensetzung der Frack-Flüssigkeit finden, die in USA und Australien verwendet wird. Die Zusammensetzung der Frack-Flüssigkeit die hier verwendet wird gibt die RWE-Dea nicht offiziell preis, wir konnten aber bei Recherchen folgende Inhaltsstoffe identifizieren:

InformationsblattSicherheitsdatenblattVerwendungszweck
LGC-VI UCLGC-VI UCGelling agent for developing viscosity
BA-40LBA-40LAdjusts pH to proper range for fluid
BE-6 MicrobocideBE-6 MicrobocideControls the growth of microorganism populations in contaminated water. It is nonionic and provides broadspectrum control of bacteria.
BA-20 Organic AcidBA-20 Organic AcidAcid used to adjust pH
FR-56 Friction Reducer
K-38K-38A non-delayed crosslink agent
Gel-Sta Helps system maintain viscosity
CL-37 CrosslinkerCL-37 CrosslinkerA delayed crosslinker for the gelling agent
Gas Perm 1000GasPerm 1000Aids in recovery of water used during frac
ViCon NF BreakerViCon NF BreakerAgent used to degrade viscosity

Die Chemikalie BA-40L wird verwendet um den PH Wert zu erhöhen, sie ist z.B. gefährlich bei Haut- & Augenkontakt und verursacht Verbrennungen. Oder die Chemikalie LGC-VI, diese ist leicht brennbar und wird scheinbar verwendet um die Frack-Flüssigkeit dickflüssig zu machen. Es werden auch immer Biocide verwendet, hier kommt scheinbar das Biocid BE-6 zum Einsatz und im Sicherheitsdatenblatt steht: "Doses of 80 and 160 mg/kg produces gastrointestinal lesions, respiratory distress, and some deaths."

Jeder Frack-Vorgang verursacht in 5000 Metern Tiefe ein kleines Erdbeben, welches etwa einer Stärke 3,5 entspricht. Davon kommen an der Oberfläche ca. 0,5 an. Auch ist umstritten ob nicht durch die Erdgasförderung noch stärkere Erdbeben entstehen, wie z.B. das Beben am 02.05.2011 in der Gegend von Kirchlinteln mit einer Stärke von 2,4 welches die Quelle in ca. 5 Kilometern tiefe hatte.

Aktuell wird im Erdgasfördergebiet Völkersen konventionell Erdgas in großen Tiefen gefördert, es gibt aber für andere Regionen schon Planungen, das sogenanntes Schiefergas in geringeren Tiefen (750 bis 1000 Meter) zu fördern. Dieses Erdgas kann ohne Fracking nicht gefördert werden. Hier werden von einer Bohrstelle aus viele Bohrungen getätigt, die den Untergrund wie einen Schweizer Käse durchziehen, anschließend wird mittels Fracking das Gestein aufgebrochen und das Erdgas gefördert. Diese unkonventionelle Methode benötigt wesentlich mehr Flüssigkeit und sollte auf grund der geringen Tiefe verhindert werden!

In diversen Zeitungsartikeln kann man lesen, das die Firma Exxon Mobil plant in ca. 2 Jahren das Fracking ohne chemische Zusätze durchzuführen. Diese Aussage wurde am 17.04.2012 von Dr. Heinrich Stapelberg, Leiter Öffentlichkeitsarbeit bei Exxon Mobil relativiert. Nach seiner Aussage werde man in 2 Jahren so weit sein und Fracks in geringen tiefen, von ca. 1000 Metern, ohne chemische Zusätze durchzuführen. Aber bei Fracks, die in ca. 5000 Metern Tiefe erfolgen, werde man nicht auf die Chemie verzichten können.

Hier eine Tabelle wann und wie oft eine Bohrung gefrack't wurde:

BohrungFrac'szuerstzuletzt
Völkersen Z5201-Mai-0001-Aug-03
Völkersen N Z4201-Apr-0101-Nov-07
Völkersen N Z2201-Okt-0101-Okt-02
Völkersen Z1101-Apr-0201-Apr-02
Völkersen Z4101-Mai-0201-Mai-02
Völkersen Z6101-Aug-0301-Aug-03
Völkersen Z7101-Apr-0501-Apr-05
Völkersen Z3101-Nov-0501-Nov-05
Völkersen N Z3101-Okt-0601-Okt-06
Völkersen Z8101-Aug-0801-Aug-08
Völkersen Z9101-Aug-0901-Aug-09
Völkersen Z10101-Okt-0901-Okt-09
Völkersen N Z5a201-Apr-1014-Jun-11

Abfackeln: Bei der Erdgasförderung kann man beobachten, dass immer mal wieder Erdgas abgefackelt wird. Auch hierbei gibt es Risiken. Im Internet findet man diverse Artikel über dieses Thema. Oft sind dieses Beiträge über Nigeria oder Russland, wo in einigen Gegenden permanent abgefackelt wird. Einem Artikel der Financial Times Deutschland nach, soll das verbrennen von Erdgas 250 verschiedene Gifte freisetzen die unter anderem Krebs, Asthma, chronische Bronchitis und Blutveränderungen hervorrufen können. Auf einer anderen Seite kann man lesen, dass man das Gasabfackeln in Alberta, Kanada mit einem erhöhten Risiko von dermatologischen Problemen, Spontanabort und zahlreiche Arten von Krebs in Verbindung gebracht hat. Man könnte nun sagen, das die Situation hier nicht mit der in Afrika verglichen werden kann, da nur kurzzeitig abgefackelt wird, aber wenn Krebserregende Stoffe in die Luft gelangen, dann genügen auch schon kleinste Mengen.

Durch unsere Nachfragen hat die RWE-Dea nun auch reagiert, denn nun kam ein geschlossenes System zum einsatz, welches wir bei einer Einladung der RWE Dea am 14. Mai anschauen konnten.

Nach dem die Bohrarbeiten an "Völkersen Nord Z6" in Grasdorf angeschlossen waren, wurde vom Donnerstag den 10. Mai 2012 bis Mittwoch den 16. Mai 2012 die Leistungs und Ergibigkeit der Bohrung getestet. Dabei wird über einen festgelegten Zeitraum eine große Menge Gas entnommen. Am Abend des 14.05.2012 waren es stündlich 16000qm Gas, die dann über die Anlage verbrannt wurden. Zum Einsatz sind nacheinander zwei verschiedene Anlagensysteme gekommen. Nach Angaben der RWE Dea seien in Deutschland solche Anlagensysteme nicht verfügbar, so dass als die Entscheidung getroffen wurde ein eine geschlossene Verbrennungsanlage einzusetzen, eine Anlage aus Frankreich geordert wurde. Da die dortige Firma keine Zusage über die fristgerechte Anlieferung machen konnte, wurde parallel dazu eine Anlage aus Italien geordert. Der Transport beider Anlagen ist schwierig und erfolgte durch mehrere LKW´s. Letztlich sind beide Anlagen fristgerecht angeliefert, aufgebaut und zu Testzwecken auch in Betrieb genommen worden. Diese Anlagen gewährleisten eine Verbrennung des Gases bei Temperaturen zwischen 900°C und 1200°C. Das Gas wird vor der Verbrennung in verschiedene Filteranlagen gereinigt und von Feststoffen und Wasser gesäubert. Somit ist eine, nach Aussage der RWE Dea, fast 100%ig saubere Verbrennung sicher gestellt. Dieses haben nach Aussage der RWE auch Messungen ergeben. Während der Tests wurden alle Parameter (Temperatur, Gasmenge, etc.) überwacht und aufgezeichnet. Nur beim Anfahren am ersten Tag der Anlage hat es leichte Schwierigkeiten geben, die aber schnell behoben waren. Man musste, so die RWE Dea, die Parameter erst kennlernen, mit denen die Anlage richtig betrieben wird. Auf Anfrage der BI, warum die Anlagen aus dem Ausland kommen mussten, wurde uns gesagt, dass dort die Gesetze strenger sein und dort diese Spezialbrenner vorgeschrieben sind. In Deutschland gäbe es derartige Brenner noch nicht. Auf Nachfrage der BI, überlege man nun aber, ob eine der Anlagen über einen Subunternehmer angeschafft werden könnten und somit auch in Deutschland regelmäßig zum Einsatz kommen könnten.

Bilder vom Besuch sind hier in der Bildergalerie abgelegt.

Wirtschaft: In Niedersachsen werden Jährlich 9 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht, gefördert werden 12 Milliarden. An Reserven liegen in Niedersachen noch etwa 158 Milliarden Kubikmeter.

Direkt in der Erdgasindustrie arbeiten in Niedersachsen ca. 8000 Personen und indirekt (Zulieferer etc.) ca. 18000 Personen.

Im Jahr 2011 hat das Land Niedersachsen 682 Millionen Euro an Förderabgabe eingenommen, die jedoch gleich weiter in den Länderfinanzausgleich geflossen sind.

Die Genehmigung für alle Aktivitäten der Erdgasförderung, deren Kontrolle und die Ermittlungen in Schadensfällen erfolgt ausschließlich durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG). Es untersteht dem Wirtschaftsminesterium.



Die Stellungnahme von Greenpeace zum Thema Fracking: Unkonventionelles Erdgas - Chance oder Risoko?



Das Erdgasfeld Völkersen in Google Maps mit dem Verlauf der Lagerstättenwasserleitungen und den Namen der Bohrstellen:


Das Erdgasfeld Völkersen auf einer größeren Karte anzeigen



Wichtig!

Schlichtungsstelle

Die niedersächsische Schlichtungsstelle Bergschaden mit Sitz in Rotenburg/Wümme ist im Amt.

Anmerkungen und Kritik zur Studie

Nachhaltiger Umgang mit Lagerstättenwasser aus der Erdgasförderung der RWE Dea AG in Niedersachsen

Gerd Landzettel – im August 2014

Eine Geschichte darüber, wie meine Vorstellung vom „sauberen Energieträger Erdgas“ von der Realität eingeholt wurde.

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